Gewitter-Monitor mit graphischer Anzeige

Nach Auskunft der Meteorologen lässt der Klimawandel es häufiger blitzen. Mit jedem Grad globaler Erwärmung steigt die Zahl der Blitze. Dabei haben die gewaltigen elektrostatischen Entladungen mit den entfesselten Naturkräften nichts von ihrer Faszination verloren. Um so mehr ein Grund, sich als Hobby-Elektroniker mit diesem Thema zu beschäftigen.

So habe ich mit viel Interesse die Diskussionen und Entwicklungen im Internet verfolgt. Z.B. ist der Franzis-Bausatz „Gewitterwarner“ ist ein schönes Gerät mit allerlei genialen Ideen, zum Beispiel, den AM-Empfänger TA7642 zum Empfang zu verwenden, die Empfindlichkeit durch die Betriebsspannung einzustellen, und die Blitze durch einen Flankendetektor im Mikrocontroller zu erfassen. Super!
Für meine eigenen Versuche wollte ich einen Schritt weiter gehen und den Analog-Digital-Konverter (ADC) des Mikrocontrollers dazu verwenden, Blitze mit hoher Empfindlichkeit über weite Entfernungen zu erfassen und quantitativ auszuwerten. Außerdem wollte ich den Verlauf der Intensität und Häufigkeit der Blitze über die Zeit aufzuzeichnen. Herausgekommen ist mein „Gewitter-Monitor“, den ich hier beschreibe.

Vorüberlegungen

Die Idee war, ein Gerät zu entwickeln, das elektrostatische Aktivitäten in der Atmosphäre beobachtet und Auskunft über die Häufigkeit und Stärke von Blitzen gibt. Mir ging es dabei um große Reichweite, so dass Gewitter lange vor dem Erscheinen von Blitz und Donner am Ort erkannt werden. Außerdem wollte ich den Verlauf aufzeichnen, zum Beispiel um zu sehen, ob die Blitz-Aktivitäten zu- oder abnehmen.

Das Design ist einfach: Die elektromagnetischen Impulse von Blitzen werden mit dem AM-Radio-Chip TA7642 empfangen, verstärkt und mit dem ADC eines ATmega ausgewertet. Der ADC erfasst für jeden registrierten Blitz den maximalen Pegel. Der Mikrocontroller summiert die Maxima und berechnet die Summe pro Minute. Ein graphisches LC-Display (GLCD) zeigt den Verlauf, und mit einer Leuchtdiode wird ein Warnlevel angezeigt.

Die Schaltung

Das Gerät besteht aus zwei Komponenten, dem Analogteil um den AM-Empfänger 7642, und dem Digitalteil basierend auf einem ATmega16.

Analogteil: Das Signal der Blitze erreicht die Schaltung über die Antennen. Ich habe die Eingangsschaltung vom Franzis-Gewitterwarner mit dem AM-Empfänger TA7642 und nachgeschaltetem Transistor weitgehend übernommen. Allerdings wollte ich die Empfangsfrequenz so tief wie möglich legen, um näher an das Frequenzmaximum von Gewitterblitzen zu kommen. Der Antennenschwingkreis besteht aus einer Spule von 10 cm Länge auf einem Ferritstab, 0.3 mm Kupferdraht, und zwei parallel-geschalteten 470 pF Kondensatoren. Die Resonanzfrequenz liegt ungefähr bei 100 kHz. Das ist so ziemlich am unteren Rand des Frequenzbereiches, den der TA7642 noch sinnvoll verstärkt (siehe „Frequenzgang des TA7642“, Elektronik-Labor). Aber es reicht noch aus für gute Empfindlichkeit.

Ferritantennen haben eine Richtwirkung. Deshalb kommen zwei Analog-Teile mit jeweils einer eigenen Antenne zum Einsatz. Die Antennen sind rechtwinklig zu einander und horizontal montiert sind. Die horizontale Anordnung bewirkt, dass die häufigeren Wolke-zu-Wolke Blitze erfasst werden. Die bereits zitierten Meteorologen sagen, dass im Durchschnitt 60% der Blitze zwischen den Wolken stattfinden, also horizontal orientiert sind, während die verbleibenden 40% zwischen Wolke und Erde verlaufen. Der eine Ferritstab hat seine höchste Empfindlichkeit in Nord-Süd-Richtung, der andere in Ost-West-Richtung. Die Richtungsinformation, die sich daraus ergibt, lässt sich allerdings kaum verwerten, da die Maxima der Ferritantennen sehr breit sind. Das Digital-Teil berechnet die Summe über beide Kanäle.

Antennen des Gewitter-Monitors
Antennen über Kreuz: Hier werden alle Himmelsrichtungen erfasst. Die Ferritstäbe sind zusammen mit den TA7642 auf eigenen Platinen montiert. Betriebsspannung und Ausgangssignale werden über ein kurzes Flachbandkabel an das Gerät angekoppelt.

Die Spannungsversorgung der beiden TA7642 stellt gleichzeitig die Empfangsempfindlichkeit ein. Ich verwende eine Konstantspannungsquelle mit einer Bandgap-Referenz TL431, die als einstellbare Zenerdiode fungiert. Mit einem Trimmer lässt sich die Spannung und damit die grundsätzliche Empfindlichkeit der Antennen einstellen. Ich habe mit Spannungswerten zwischen 1.5 und 1.6 Volt am 1 kOhm-Widerstand vor dem Empfänger-IC (siehe Schaltung) die besten Erfahrungen gesammelt.

Blitze sind seltene und sehr kurze Ereignisse. Um sie zuverlässig mit dem ADC zu erfassen, müsste man den ADC mit einer hohen Abtastfrequenz betreiben. Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden und mit Hilfe des Operationsverstärkers MCP601 einen Maximalwerte-Speicher dazwischen geschaltet. Solche Peak-Detection-Schaltungen waren früher bei Audio-Aussteuerungsanzeigen, z.B. LED-Balken-Anzeigen, verbreitet. Der Ausgang des OpAmp lädt über eine Diode eine RC-Kombination (22 nF und 1 MOhm), die sich dann entsprechend ihrer Zeitkonstante wieder entlädt. Der Spannungswert steht damit ausreichend lange am ADC-Eingang zur Verfügung, so dass eine gemächliche ADC-Abtastrate von 250 Hz pro Kanal gut funktioniert. Da beide Antennen im Wechsel abgefragt werden, läuft der ADC mit 500 Hz, wobei er ständig zwischen den beiden Eingängen hin und her schaltet. Dieses Tempo ist gut verträgliches für einen ATmega ist. Bild 3 zeigt ein Oszilloskop-Bild am Eingang und Ausgang der Peak-Detection Schaltung.

Messung am Peak-Detektor
Messung am Peak-Detektor: Kanal 1 (blau) zeigt das Eingangssignal am OpAmp mit zwei kurzen Blitz-Impulsen. Kanal 2 (gelb) zeigt das langsam abfallende Ausgangssignal. In jedes 10 mS Intervall fallen im Schnitt 2.5 ADC-Wandlungen pro Kanal.

Schließlich enthält der Analogteil noch einen kleinen Audioverstärker, den man als akustischen Monitor zuschalten kann. Das ist zum Beispiel sehr nützlich, um einen geeigneten Aufstellungsort mit geringen Störsignalen zu finden.

Schaltung des Analogteils
Schaltung des Analogteils

Digitalteil: Der Digitalteil ist um den bewährten Atmega168 herum aufgebaut. Der Mikrocontroller wird mit einem 8 MHz-Quarz getaktet. Für den Betrieb der graphischen Anzeige ist eine ganze Menge Festkomma-Arithmetik notwendig, die zum Teil zeitkritisch ist. Deshalb ist die Taktrate von 8 MHz durchaus angemessen.

Die Ausgangsspannungen vom Analogteil erreichen den Mikrocontroller an den Eingängen ADC0 und ADC1. Der ADC wird so konfiguriert, dass er die interne Spannungsreferenz von 1.1V verwendet. Dieser Spannungslevel passt sehr gut zu den Ausgängen der OpAmps und kann ohne weitere Anpassung direkt verwendet werden.

Zwei weiße Leuchtdioden an Port C4 und C5 blinken kurz auf, wenn ein Blitz registriert wird. Die Software verwendet zwei Warnstufen, die durch die Blitzaktivitäten pro Minute ausgelöst werden. In der ersten Warnstufe schaltet Port C2 über einen PNP-Transistor die Hintergrund-Beleuchtung ein. Die Idee ist, dass das Gerät im Alltag ständig läuft und beim Aufziehen von Gewittern selbstständig das Display hell schaltet. Dann weiß man, dass etwas im Busche ist. Wenn die zweite Warnstufe erreicht ist, wird zusätzlich die rote Leuchtdiode an Port C3 aktiviert. Jetzt ist ein Gewitter sehr nah oder vielleicht auch schon direkt am Ort. Für neugierige Zeitgenossen – wie ich einer bin – gibt es eine Taste an Port B0, der die Hintergrund­beleuchtung manuell für 30 Sekunden aktiviert. Dann kann man registrierten Blitzaktivitäten sehen, auch wenn noch keine Warnstufe erreicht wurde.

Schaltung des Digitalteils
Schaltung des Digitalteils

Graphik-Display: Das graphische LC-Display von Sitronix war ein günstiger Kauf im Internet und lag schon eine ganze Weile auf meinem Arbeitstisch in Erwartung von interessanten Aufgaben. Seit einiger Zeit werden diese Displays mit einer Auflösung von 128 x 64 Pixeln für wenig Geld angeboten. Für mich war es das erste Projekt mit diesem Displaytyp, und es geht erstaunlich einfach. Der Display-Controller ST7920 hat die angenehme Eigenschaft, ein paralleles und ein serielles Interface mitzubringen (siehe GLCD Datenblatt). Wenn der Anschluss PSB auf Masse liegt, wird das Interface auf serielles SPI geschaltet. Dann sind nur 3 Leitungen zur Signalübertragung erforderlich. Zusammen mit den Stromversorgungen für Display und Hintergrundbeleuchtung kann man das Display mit nur 6 Leitungen am Mikrocontroller betreiben. Einfacher geht es nicht!

Die andere nützliche Eigenschaft des Displays ist, dass es dazu eine fix- und fertige Software-Bibliothek in C gibt, u8glib, die eine umfangreiche Sammlung von Treibern und Graphik-Primitiven anbietet (siehe U8glib). In meinem Programm kommen die Funktionen DrawPixel, DrawLine, und DrawString zum Einsatz. Tatsächlich funktionierte alles auf Anhieb. Ein Dank an die Macher dieser vielseitigen Bibliothek!

Graphik-Display mit SPI-Interface
Das Graphik-Display mit SPI-Interface benötigt nur 6 Leitungen zum Controller.

Die Software wurde in C entwickelt und wird direkt mit einem AVR-Programmer in den Flash-Speicher des Mikrocontroller geschrieben. Kernstück des Programms ist der regelmäßige Timer-Interrupt, der die Interrupt-Routine mit einer Frequenz von 500 Hz abarbeitet. Dort werden abwechselnd die beiden Antennensignale über die ADC-Kanäle eingelesen. Ein einfacher Software-Flankendetektor sucht nach Sprüngen zwischen zwei Werten, die einen Grenzwert (hier 150) übersteigen. Wenn ein solcher Sprung gefunden ist, sucht die Routine das Maximum des Blitzes und meldet an das Hauptprogramm, dass es etwas zu tun gibt. Das Hauptprogramm zeigt den gefundenen Maximalwert im Display auf der rechten Seite an. Außerdem berechnet es die Summe der Maxima pro Minute und produziert die Balkengraphik mit einer senkrechten Pixelreihe pro Minute. Das Display bietet Platz für die Aufzeichnung von 100 Minuten, wobei die alten Werte im Minutenrhythmus nach links geschoben werden. Schließlich wir einmal pro Minute eine lineare Regression der letzten 30 Minuten berechnet. Die resultierende Steigung wird unten rechts im Display angezeigt und ist eine Trendanalyse, ein Maß, ob der Pegel der Blitze in den letzten 30 Minuten angestiegen (= positive Werte) oder abgefallen (= negative Werte) ist. Allerdings ist der praktische Nutzen dieser Trendanalyse noch nicht recht überzeugend. Da gibt es noch Raum für Experimente.

Die Skalierung muss noch erklärt werden: Der ADC liefert Blitz-Maxima mit Werten zwischen 150 und 1024. Diese Werte werden auf 15 bis 100 skaliert. Der Wert 100 heißt also, dass ein Blitz den ADC maximal ausgesteuert hat. Die Werte werden pro Minute summiert. Eine Minuten-Summe von 500 zum Beispiel bedeutet, dass 5 maximal-starke Blitze registriert wurden, oder entsprechend eine größere Zahl schwächerer Blitze . Die Skala der Y-Achse reicht im Normalfall 0 bis 600 mit Markierungen in 100er-Schritten.

Wie beschrieben gibt es zwei Warnstufen: Wenn eine Minutensumme von 250 oder mehr erreicht wird, schaltet sich das Display automatisch ein. In der Regel ist dann von einem Gewitter noch lange nichts zu sehen oder zu hören. Die Signale kommen (noch) aus großer Entfernung. Wenn die Minutensumme 500 übersteigt, dann wird zusätzlich die rote Leuchtdiode aktiviert. Außerdem wird die Skala der Graphik auf einen Bereich von 0 bis 1200 umgeschaltet. Bei diesen Pegelwerten ist das Gewitter schon näher, zum Beispiel mit Wetterleuchten in der Ferne. Die Warnstufen werden nach 5 Minuten wieder zurückgesetzt.

Zum Testen von Hard- und Software braucht man nicht auf das nächste Gewitter zu warten. Ich habe mir mit einer weitgehend verbrauchten 9-Volt Block-Batterie einen „Blitz-Generator“ gebaut. Zwei etwa 10 cm lange Drahtstücke an die Batterieklemmen gelötet verwandeln die Batterie. Wenn man die blanken Drahtenden kurz miteinander in Kontakt bringt und das in 10 oder 20 cm Entfernung von den Antennen macht, dann sollte dieses Minigewitter Signale auf der Anzeige produzieren.

Praktische Erfahrungen

Ich habe das Gerät jetzt seit zwei Monaten in Betrieb und beobachte natürlich gespannt die Wetteraktivitäten. Der erste Eindruck: Die Empfindlichkeit ist enorm, besonders bei Nacht, wenn langwellige Radiosignale eine weite Ausbreitung haben. Wir hatten einige Nächte mit heftigen Gewittern in Südfrankreich oder Italien, immerhin 600 km oder mehr von meinem Wohnort entfernt. Ich konnte die Gewitter­aktivitäten mit Signalpegeln von 200 oder 300 pro Minute gut beobachten. Im August und September gab es kaum eine Nacht ohne empfangene Gewittersignale. Erst im Oktober wurde es ruhiger und brachte dann auch Tage und Nächte ganz ohne Aktivitäten auf der Anzeige.

Der Durchzug eines Wetterwechsels kündigt sich fast immer mit Gewitteraktivitäten an, die schon von weiter Entfernung als Signale auf der Anzeige erscheinen. Wenn ein Gewitter näher kommt und wir zum Beispiel am Abend auf der Terrasse Wetterleuchten beobachten können, dann zeigt das Gerät Pegel von 500 und mehr pro Minute. Wenn Gewittergrollen zu hören und ein Gewitter in direkter Nähe ist, dann ist das Gerät vollständig aus- und zum Teil auch übersteuert. Es werden durchgängig Maximalwerte angezeigt. Die folgenden Bilder zeigen, wie die Anzeige funktioniert und einige Beispiele.

Display-Anzeige
Viel Information auf kleinem Raum: So sieht die Anzeige an einem gewittrigen Abend aus. Die Gewitterfront ist mehrere hundert km weit weg, kommt aber stetig näher.
Mehr Beispiele von gemessenen Gewitter-Aktivitäten
Im linken Bild ist eine Gewitterzelle in der Ferne vorbeigezogen, ohne wirklich näher zu kommen. Im rechten Bild hat sich innerhalb von 40 Minuten ein heftiges lokales Gewitter entwickelt. Die rote Leuchtdiode wurde gesetzt, und die Skala auf den größeren Bereich umgeschaltet.

Im Laufe der Zeit hat sich das Gerät als eine schöne Erweiterung zu den verbreiteten Wetterstationen etabliert und gibt bereitwillig Auskunft über die atmosphärischen Aktivitäten und die Wetterlage.

Referenzen

Downloads

Firmware des GewitterMonitors, programmiert im AtmelStudio:  GewitterMonitor-Firmware

 

 

 

 

FM Stereo Radio mit TDA7021

Von Zeit zu Zeit beschäftige ich mich mit nostalgischem Radiobasteln – zur Entspannung und einfach, weil es Freude macht. Oft ist der Weg von der ursprünglichen Idee bis zum fertigen Gerät länger als gedacht. Aber wenn ich mir die Zeit lasse, dann ist es immer ein vergnüglicher Weg, der viele neue Erkenntnisse bringt.

Nach verschiedenen Experimenten mit MW- und KW-Radios war es an der Zeit, mich an einem FM-Radio zu probieren, das den UKW-Bereich abdeckt. Von Philips gibt es eine Familie von Radio-Chips basierend auf dem TDA7000, die den Hochfrequenz-Aufbau sehr vereinfachen. Auch wenn dieses Chips inzwischen sehr in die Jahre gekommen sind, so bieten sie guten UKW-Empfang bei einfachem Aufbau. Und wenn ich schon dabei war, sollte es doch auch möglich sein, mit dem entsprechenden Stereo-Dekoder ein “richtig brauchbares” Stereo-Radio zu bauen.

Dieses Projekt wurde angeregt durch Diskussionen und Ideen vom Elektronik-Labor von B. Kainka. Die Beschreibung des FM Stereo Radios wurde dort auch veröffentlicht.

Zielsetzung

Es sollte also ein praxistauglicher FM-Stereo-Empfänger werden. Und er sollte offen sein für neugierige Einblicke: Wie schon bei anderen Projekten wollte ich die Elektronik in einem Plexiglas-Gehäuse als freie Verdrahtung unterbringen. Bei dieser Bauweise kommt keine Platine zum Einsatz. Statt dessen wird die Schaltung so aufgebaut, dass die Bauteile über ihre Anschlussdrähte und Lötösen auf der durchsichtigen Grundplatte Halt finden. Das ist nun eigentlich gar nicht für Hochfrequenz geeignet. Aber zum Glück machen die Philips-Bausteine die Sache einfach, da die ICs die hohen Frequenzen weitgehend intern verarbeiten. Das sollte auch mit einem Drahtverhau funktionieren.

Die Bedienung für Senderwahl und Lautstärke sollte über Drehknöpfe erfolgen, so wie früher, als Elektronik noch nicht über Tipptasten oder Touchscreens kontrolliert wurde. Auch eine Frequenzskala mit beweglicher Markierung via Skalenseil wurde in das Pflichtenheft mit aufgenommen. Und schließlich sollte noch eine Leuchtbandanzeige (in Anlehnung an ein „magisches Auge“) die Empfangsstärke anzeigen und bei der Abstimmung Unterstützung leisten.

Schaltplan

Für die Schaltung kam der Empfänger TDA7021 zum Einsatz. Dieser Chip hat keine automatische Senderabstimmung, ist deshalb besser geeignet für eine manuelle Abstimmung mit Drehknopf. Außerdem stellt er an Pin 9 die Empfangs-Feldstärke als Spannungswert bereit. Als Stereo-Dekoder kam ein TDA7040 dazu, der sehr gut mit dem 7021 harmoniert.

Die Chips waren gar nicht so einfach zu bekommen. Aber es gibt nichts, das es im Internet nicht gibt. Ich wurde bei einem Internet-Auktionshaus fündig, so dass schließlich für wenige Euro ein kleiner Umschlag aus Hongkong mit den Philips-Bausteinen in meinem Briefkasten landete. Das ging ja einfacher, als ich gedacht hatte.

Schaltplan des FM Stereo Radios
Schaltplan des FM Stereo Radios

Aber der Reihe nach. Die Schaltung wird über eine 9-Volt-Batterie versorgt, was gut für den NF-Verstärker aber deutlich zu viel für die TDA-Chips ist. Deshalb sorgt ein 78L03 für stabile 3 Volt auf der HF-Seite. Die Schaltung folgt fast vollständig der Anwendung, die im Philips-Datenblatt gezeigt ist. Der frequenzbestimmende Oszillatorkreis besteht aus einer Spule (Luftspule aus 4 Windungen, 5 mm Durchmesser, etwa 10 mm Länge) und einer Kapazitätsdiode 1SV101. Die Abstimmung erfolgt über ein lineares 47 k-Potentiometer. Mit dem Spannungsbereich von 0 bis 3 Volt lässt sich das UKW-Band sehr gut überstreichen. Die Widerstände links und rechts vom Abstimm-Poti begrenzen den Empfangsbereich auf das nutzbare Radioband. Als Antenne wird ein Drahtstück von 1 m Länge am Eingangskreise angeschlossen. Die Induktivität L3 in der Stromversorgung des TDA7021 ist übrigens in der Philips-Applikation nicht zu finden. Bei meinem Aufbau eliminierte sie Zwitschergeräusche, die andernfalls ab und zu zu hören waren.

Der Stereo-Dekoder übernimmt das MPX-Signal und liefert die Niederfrequenz an das Stereo-Poti zu Lautstärke-Einstellung.

Für die NF-Verstärkung konnte ich zwei LM386 zur Mitarbeit überreden, die sich in der Bastelkiste langweilten. Sie arbeiten hier mit niedriger Verstärkung und treiben zwei kleine Lautsprecher. Die Schaltung hat noch einige Elkos und 100 nF Blockkondensatoren zur Stabilisierung und Vermeidung von ungewollten Schwingungen.

Für die Feldstärke-Anzeige musste auch wieder die Bastelkiste herhalten. Die Messungen an Pin 9 des TDA7021 zeigten, dass ohne Sender etwa 2.7 Volt anlagen. Je stärker der Sender, desto geringer war die Spannung bis herunter auf minimal etwa 0.3 Volt. Das Signal hätte man mit Komparator, Inverter und LED-Treiber aufbereiten können. Ein Blick in meine Vorräte brachte mich aber auf eine andere Idee. Schon vor ein paar Wochen hatte ich einen Satz ATtiny44 bekommen, die auf eine Aufgabe warteten. Dieser AVR-Controller ist dem ATtiny13 sehr ähnlich, verfügt aber über wesentlich mehr Ausgänge. Das war ideal für meinen Zweck. Der ADC des Mikrocontrollers übernimmt den Spannungswert an PA7 und steuert die Leuchtdioden an PA0 bis PA6. Die Pegelanpassung wurde komplett per Software gemacht, was den Aufbau natürlich sehr vereinfachte. Die Anzahl von 7 LEDs erschien mir als guter Kompromiss zwischen Auflösung und Stromverbrauch. Tatsächlich arbeitetet die Anzeige mit einer Auflösung von 14 statt 7 Stufen. Bei allen ungeraden Werten wird die jeweils nächst höhere LED im Pulsweiten-Modus mit 25 % betrieben, was etwa die halbe Helligkeit ergibt. Dadurch erscheinen die Übergänge „weicher“, schon beinahe wie mit analoger Elektronik. Der Controller läuft mit dem internen 1 Mhz-Oszillator und hat nicht wirklich viel zu tun. Er darf deshalb den größten Teil der Zeit im Sleep-Modus entspannen.

Das Programm ist in C geschrieben und recht einfach. Die Details sind den Kommentaren im C-Programm zu entnehmen. Die Fuses am fabrikneuen Chip brauchen nicht verändert zu werden.

Experimente

Bevor ich mich an den Aufbau des Radios im Plexiglas-Gehäuse machen konnte, musste etwas Forschungsarbeit betrieben werden. Die erste Frage war: Wie bekomme ich SMD-Bausteine in eine frei-fliegende Verdrahtung? Ich habe einige Varianten probiert und bin dann mit der Montage auf einer IC-Fassung am Besten zurecht gekommen. Die SMD-Chips wurden mit einem kleine Stück Holz etwas erhöht auf die IC-Fassung geklebt und dann Pin für Pin verdrahtet. Ein spitzer Lötkolben, eine ruhige Hand (!) und eine kräftige Lesebrille machten es möglich. Die SMD-Chips mit 1,27 mm Pin-Abstand sind eigentlich recht gutmütig, und nach ein bisschen Übung geht das Löten zügig von der Hand. Die montierten ICs sind mechanisch sehr robust.

Montage des SMD-Chips auf einer IC-Fassung
Montage des SMD-Chips auf einer IC-Fassung

Der nächste Schritt war ein Probe-Aufbau auf einem Holzbrett. Ich hatte verschiedene Varianten der Anordnung ausprobiert, um Leitungslängen klein zu halten. Als Draht kam versilberter Kupferdraht mit 1 mm Durchmesser zum Einsatz, der einerseits gute, mechanische Stabilität bietet und andererseits hübsch anzuschauen ist. Die Schaltung war erstaunlich unproblematisch und robust.

Probe-Aufbau auf einem Holzbrett
Probe-Aufbau auf einem Holzbrett

Das dritte Experiment beschäftigte sich mit dem Skalentrieb. Das Seilrad am Abstimmpoti sollte einen Durchmesser von 5 cm Durchmesser bekommen. Das ergab bei einem nutzbaren Drehwinkel von 270 Grad eine Skalenlänge von etwa 11 cm. Dadurch waren dann auch die Gehäusemasse definierte. Aus Platzgründen wurde das Abstimmpoti um 90 Grad verdreht angeordnet. Das Seil ließ sich gut über Umlenkrollen führen. Als Gegenstück arbeitete ein kleines Seilrad mit 2 cm Durchmesser, das auf einer freien Achse (eine M6-Schraube) mit Drehknopf montiert war. Die Abstimmung hat also eine Untersetzung von 2 auf 5, ein guter Wert für feinfühligen Abstimmen. Das Seil kam übrigens von einer Nylon-Drachenschnur. Es wurde mit einer kleiner Feder gespannt.

Testaufbau des Skalen-Antriebs
Testaufbau des Skalen-Antriebs

Finaler Aufbau

Nachdem die Forschung erfolgreich abgeschlossen war, konnte es an den Zusammenbau gehen. Für das Gehäuse kamen Plexiglas und Aluminium zum Einsatz. Die Plexiglasplatten sind leider sehr empfindlich, wenn die Schutzfolie erst einmal entfernt ist. Deshalb hatte ich die Schaltung komplett auf einem Holzbrett aufgebaut und erst dann auf die fertig bearbeitete und gebohrte Plexiglasplatte transferiert. Die aufgebaute Schaltung war auch ohne Grundplatte einigermaßen stabil, so dass sie sich gut an ihren Arbeitsplatz transferieren ließ.

Die fertige Schaltung an ihrem Arbeitsplatz
Die fertige Schaltung an ihrem Arbeitsplatz

Der Abgleich war sehr einfach. Erster Punkt war das Auseinanderziehen oder Zusammendrücken der Oszillatorspule, bis der Frequenzbereich mit dem UKW-Band übereinstimmte. Das brauchte ein bisschen Geduld und Fingerspitzengefühl.

Zum Abgleich von P2 und P3 schweigt sich das Philips-Datenblatt leider aus. In der Praxis sind die Einstellungen aber unproblematisch. Das Radio läuft prima mit P2 und P3 ungefähr in Mittelstellung. Kollege Google hat ausführlichere Tipps, wenn ein Oszilloskop oder Frequenzzähler zur Verfügung stehen:

P3 ist für den PLL-Oszillator des Stereo-Dekoders zuständig. Zum Abgleich wird die Abstimmung in einen Bereich ohne Sender gedreht, so dass der Oszillator frei läuft. Jetzt den 100 nF-Kondensator an Pin 7 des TDA7040 lösen und Pin7 über einen 10 kOhm-Widerstand an die Spannungsversorgung (3 V) legen. Mit einem Oszilloskop oder Frequenzzähler die Frequenz des Oszillators abnehmen und möglichst exakt auf 19 kHz eingestellt. Damit hat der Oszillator die optimalen Voraussetzungen, auf das Pilot-Signal eines Senders einzurasten. Zum Schluss den Umbau rückgängig machen.

P2 an Pin 15 des TDA7021 wird so eingestellt, dass auch ein schwacher Sender mit deutlich erkennbarem Stereo-Sound übertragen wurde.

Zum Schluss kam noch, sozusagen als i-Tüpfelchen, die Frequenzskala. Um die Positionen der Frequenzen zu finden, habe ich mit Hilfe meines Reiseempfänger die Frequenzen des Oszillators am TDA7021 ermittelt. Das klappt prima, weil die Zwischenfrequenz mit 70 kHz quasi vernachlässigbar ist. Den Empfänger stellte ich mit eingeschobener Antenne direkt neben mein Radio. Die gesuchte Frequenz wurde am Reiseempfänger eingestellt, z.B. 90 MHz. Jetzt war der Oszillator beim Durchdrehen der Abstimmung einwandfrei im Reiseempfänger zu finden, so dass ich die 90 MHz-Position auf der Skala übernehmen konnte. Das wurde schrittweise für mehrere Frequenzen wiederholt, bis die Skala komplett war. Die Skala habe ich dann auf transparente Folie gedruckt und mit Tesafilm auf den durchsichtigen Skalenträger montiert. So, fertig.

Skala mit Zeiger
Skala mit Zeiger

Empfangspraxis

Und dann war es soweit: Das Radio konnte vorgeführt und ausprobiert werden. Die Empfindlichkeit hat mich von Anfang an überrascht. Der TDA7021 kommt auch mit schwachen Sender gut zurecht und ist sicherlich mit dem UKW-Band meines Reiseempfängers auf Augenhöhe. Beim Durchdrehen des Abstimmknopfes erscheinen die Sender dicht gepackt auf der Skala. Die LED-Anzeige ist flink und beim Abstimmen hilfreich. Es kommen schnell Assoziationen an Omas Röhrenradio mit Skala und magischem Auge. Auch die Klangqualität ist gut; und der Stereo-Effekt ist durch den relativ großen Abstand der beiden Lautsprecher im breiten Gehäuse schön zu hören. Der Empfang ist absolut klar, zumindest solange die Sender mit ausreichender Feldstärke hereinkommen. Wenn der Empfang schwächer ist (3 oder 4 LEDs), dann sind die Sender von ausgeprägtem Stereo-Rauschen begleitet. Aber das kann man der kleinen Schaltung nicht übel nehmen.

Detailansicht der frei-schwebenden Verdrahtung
Detailansicht der frei-schwebenden Verdrahtung

Das Radio steht nun schon seit ein paar Wochen in der Küche. Wir benutzen es oft und gerne und möchten es nicht mehr missen. Und das gut einsehbare Innenleben beschert interessante Einblicke, die auch oft Besucher in ihren Bann ziehen.

Eine Demonstration ist auf YouTube zu sehen.

C-Quellcode der Feldstärken-Anzeige: MagischesAuge

Schaltplan und Source-Code für das Magische Auge sind auch auf der Ressourcen-Seite abrufbar.

 

Sandplotter

Bei diesem Projekt geht es um Kunst. Langsam zieht eine Kugel durch den Sand und hinterlässt eine Spur, die nach und nach ein Bild ergibt. Nach ein oder zwei Stunde ist die Zeichnung fertig. Aber Sandbilder sind vergänglich. Die scharfen Kanten verschwinden, und das Bild verblasst im Laufe von Tagen und Wochen.

Mathematische Schwingungen erzeugen ein Bild im Sand

Die technische Ausführung basiert auf einer X/Y-Steuerung mit Schrittmotoren und Gewindestangen, die einen Magneten unter der Holzplatte bewegt und so eine eiserne Kugel durch den Sand zieht.

Unter der Platte mit dem Sand befinden sich Elektronik und Mechanik
Unter der Platte mit dem Sand befinden sich Elektronik und Mechanik

Bei diesem Projekt kommen zwei ATmega zum Einsatz. Der erste Prozessor erzeugt die mathematischen Koordinaten des Bildes und ist über Display und Tastatur erreichbar. Der zweite Prozessor übernimmt die Koordinaten und steuert mit Hilfe von Leistungstransistoren die Spulen der Schrittmotoren. Außerdem ist noch ein ATtiny beteiligt, der die Helligkeit der LEDs regelt.

Elektronik des Sanplotters
Elektronik des Sanplotters

Die Schrittmotoren und ihre steuernden Transistoren müssen kräftige Ströme verarbeiten. Deshalb gibt es eine aktive Kühlung mit kleinen Ventilatoren.

Mit der Zeit entstehen verschiedene Programme, die mathematische Muster und Verläufe produzieren und über die Tastatur abgerufen werden können.